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Panettone, Pastetchen und Pizza

Eine fremde Stadt verwandelt mich meistens zurück in ein kleines Kind.
Im Mercato Trionfale in der Via Tunisi klebt mein Blick an einer Theke mit Kuchen und Pastetchen. Der Bäcker hat auch einen Panettone aufgeschnitten – den kannte ich bisher nur in einer staubtrockenen Version als Weihnachtsgeschenk eines Pizzabäckers. R. meint dazu spöttisch: „Der war wohl vom letzten Jahr.“ Die Stücke hier … sind … köstlich. In der folgenden Woche probiere ich mich durch eine ganze Armada von Panettoni.Immer wieder halte ich in der Markthalle inne, schaue einem Metzger beim Zerteilen eines Kotelettstrangs zu, beobachte einen Eierhändler, der vorsichtig die Eier in einen Karton abzählt. Am nächsten Stand drapiert ein Gemüsehändler frische Artischocken zu einer Sonne. Ich verliere dabei fast den Anschluss an R. und F., die mir diesen Tag in Rom schenken. (Meine Leser kennen sie von Frankfurt-Kulturtagen.)
Als sie mich im letzten Jahr einluden, musste ich nicht lange überlegen. Nun nach dem Tod meines Vaters kostete es mich ein wenig Überwindung, aber es war die richtige Entscheidung. Ein wenig Abstand zu allem kann mir nur guttun.
Nun ist Rom für mich keine fremde Stadt mehr, deshalb brauchen wir uns auch nicht im Weihnachtstouristenstrom durch die Gassen zu quälen. Und ich kann mir Viertel ansehen, die bisher eher links liegen geblieben sind.
In der Metro allerdings spüren wir, welchen Menschenmassen die Stadt ausgesetzt ist. Nichts wie raus und hin zur Basilica St. Clemente. Wortwörtlich steigen wir hinab in 22 Jahrhunderte römischer Geschichte. Immer dunkler und enger werden die Gänge bis hin zu einem Mithras-Altar. Hier stand einst ein Tempel, der mit der Christianisierung des Römischen Imperiums zu einer Kirche wurde, auf der wiederum eine Basilka gebaut wurde, die wiederum der heutigen Basilika als Fundament diente. Die Steine sind hier wie so oft in Rom die Zeugen der Jahrhunderte.
Längst sind die römischen Cafés in den Händen internationaler Inverstoren. Längst trägt der Barista asiatische oder afrikanische Gesichtszüge. Längst haben Ketten wie Ciuri Ciuri die einstigen Familienbetriebe verdrängt oder übernommen.
Die Pause tut aber gut, bei einem Capuccino (okay) und Pasticcini Mignon – eine Art Konfekt (na ja…).
Auf den Mithras-Tempel folgt ein Fresstempel: Eataly.
Ein Kaufhaus, besser: ein Riesenkaufhaus für … Lebensmittel. Speisen. Getränke. Preislich durchaus in der gehobenen Klasse. So wie die Kund*innen. Der Prosecco prickelt sachte. Feine Säure. Erfrischend kühl. (Leider habe ich das Etikett nicht fotografiert.)
Die schiere Größe des Kaufhauses lässt mich erneut wie ein Kind staunen. Mit offenem Mund und gesteigerten Speichelfluss.
Rom entlässt uns nicht ohne ein Abendmahl: Pizza im PummaRe’. Holzofen, einfach, gut. Dazu ein Primitivo aus Solent. Basta!

 

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