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Vom Fensterln

Klein, aber fein. Das Sinclair-Haus in Bad Homburg. Frisch renoviert. Strahlend weiße Räume. Modernste Klimatechnik. Und innen?
Ein Blick durchs Fenster reicht nicht aus, um die sehenswerte Ausstellung „Aussicht – Einsicht. Blick durchs Fenster.“ zu erblicken. Man muss schon rein, und für Sparbrötchen wie mich ist der Eintritt mittwochs frei. Mein Blog zeigt bisweilen mein Faible für Fenster in Sakralbauten. Umso mehr freute ich mich auf den Abend in Bad Homburg.
Die Rhein-Main-Kubisten hatten die Idee, gemeinsam reinzuschnuppern. Kristine Preuß, Kunstvermittlerin am Sinclair-Haus, führt uns durch die beiden Etagen. Bisweilen bin ich skeptisch, was Führungen angeht; oft, weil er oder sie sich nicht den Zuhörern anpassen kann.
Aber an diesem Abend bin ich wirklich angetan von einer sehr kompetentenIMG_1741 Unterweisung. Kristine Preuß erzählt spannend von der Entstehung einzelner Fotografien und Videoinstallationen. Da sie mit den Künstlerinnen oder Künstlern in Kontakt steht, erfahren wir das eine oder andere Detail aus deren Leben. Unaufdringlich weist uns Kristine Preuß auf Irritationen und Brüche in den ausgestellten Werken hin. So entstehen kleine Rätsel, die wir nur bereitwillig lösen wollen – wir sind ja keine Dummis!
Auf den ersten Blick wirken die Montagen der finnischen Künstlerin Aino Kannisto wie Schnappschüsse. Durch Kristine Preuß erfahren wir, dass sich die Künstlerin selbst im Ablauf einiger Jahre inszeniert hat. Die Glätte eines Fotos wird von ihr durch Nachbearbeitungen in verschwommene Konturen überführt. Unsere Logik verzweifelt an Spiegelungen, deren Ursprung wir nicht erraten können.

IMG_1744
Karin Kneffel

Die Lust am Voyeuristischen ist unschwer in den Fotoarbeiten von Karin Kneffel zu erkennen. Der heimliche Blick in ein beleuchtetes Wohnzimmer der Nachbarn – hier dürfen wir gucken, solange wir wollen. Das Fenster ist beschlagen? Kneffel wischt mit großen Kreuzen über einen unscharfen Fensterausblick. Erst beim zweiten Hinsehen erkennen wir, dass es eine Gemälde ist. Nur zu verständlich, dass Kinder an einer solchen Ausstellung der kleinen optischen Betrügereien ihren Spaß haben. Wir Erwachsenen aber ebenso…
Annette Schröters großformatige Scherenschnitte sind … nicht nur eine Fleißarbeit. Herausforderungen an die Geduld eine*r Künstler*in sind Großformate in jeder Technik. Schröters Papierarbeiten reduzieren die Aus- und Anblicke auf Schwarzweißkontraste. Dennoch wirken sie unheimlich authentisch, fast lebendig.
In Melanie Wioras Auge spiegelt sich die Welt; mit einer Kamera aufgenommen, wird daraus ein Fensterblick besonderer Art.
Für mich ist die Videoinstallation The Picture von Julia Wilms der Höhepunkt der Ausstellung. Die Künstlerin spielt mit Caspar David Friedrichs Frau am Fenster, eröffnet Räume hinter und vor dem Gemälde an einer Wand, hinter einer Wand, an einer Wand im Sinclair-Haus mit der zur Installation passenden Tapete. (Hier ein Link zum Video: https://willmsworks.net/de/videoinstallation/the-picture-2  )

Für weitere Infos:
https://www.museumsinclairhaus.de

 

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3 Kommentare zu „Vom Fensterln

  1. Vielen Dank für die immer wieder interessanten Beiträge, aber auch für die Tipps. Das Sinclair Haus stand schon lange auf meiner Liste.

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