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Hessen – nein, Rheinhessen

Mein Mann ist noch im Feld.“, entschuldigt Annette Krebs ihren Ehemann, nachdem sie uns begrüßt hat. Für meine Leser*innen aus der Kulturellen Bildung muss das wie ein kleiner Insider Joke wirken, (denn der Begriff „Feld“ ist ein Lieblingswort der IMG_1606Forscher*innen in der Kulturellen Bildung). Unsere Gastgeberin verweist jedoch ohne Absicht darauf, dass der heutige Tag sehr viel mit Kultur zu tun hat. Überflüssig wäre hier eine Begründung, warum Essen und Trinken etwas mit den kulturellen Leistungen einer Gesellschaft zu tun hat; wenn nicht sogar eine dafür grundlegende Kraft ausmacht.
Wer wie ich im Nordhessen der 60er Jahre aufgewachsen ist, kennt Wein als 2 Liter Flaschen „Bauernglück“ mit Spuren italienischen Weins. Oder die „Kellergeister“. „Liebfrauenmilch“.
In meiner Jugend kamen geschmackliche Verirrungen wie „Asti Spumante“ und „Vin de Pays“ hinzu. Während des Studiums war ich den Belehrungen deutscher Winzer ausgesetzt, die mit der ganzen Kraft ihrer Erdverbundenheit behaupteten, dass ein Wein nicht trocken genug sein könne, und meinem Magen mit „Elbling“ und furztrockenem „Riesling“ heftig zusetzten.
Erst als ich das Elsass kennenlernte, „Gewürztraminer“ und „Edelzwicker“ sowie trinkbaren „Riesling“ entdeckte, öffnete sich für mich die Welt des Weines.

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Annette Krebs

Doch erst in diesem Jahrhundert, begünstigt durch den Klimawandel, begann ich auch deutsche Weine zu schätzen. Winzer*innen wie Hubertus und Annette Krebs vom Weingut Krebs-Grode haben dafür den Weg bereitet. Das Ehepaar hat den alteingesessenen Betrieb mit neuen Rebsorten, Experimentierfreude und dem nötigen Weinverstand zu einer der ersten Adressen deutscher Weißweine verwandelt. Der „Chardonnay“ aus der Spitzenlage Gau-Odernheim schmeckt zum Dahinschmelzen – der „Sauvignon-Blanc“ überrascht mit gelben und grünen Fruchtnoten.
Die „Quarterra Cuvées“ brauchen keinen Vergleich mit den Gewächsen unserer westlichen Nachbarn zu scheuen, sowohl die weißen als auch die roten.
Die Trauben können wir in einem kleinen Wingert schmecken. Rebstrauch für Rebstrauch pflücken und probieren wir uns durch die verschiedenen Sorten.IMG_1614
Während der Führung erleben wir, wie eilig Spätburgunder-Trauben eingefahren werden, denn der Wetterbericht hat ein Unwetter angekündigt, das den empfindlichen Reben großen Schaden zufügen könnte. „Krebs-Grode“ setzt auf schonende Gärverfahren, bei denen die Trauben unter Kühlung langsam ihre Aromen an den Wein abgeben können. Die Spitzenweine werden im Barrique (Eichenfass) ausgebaut. Der Rundgang präsentiert einen modernen Betrieb, der dennoch an einigen alten Traditionen festhält. Auch in Zukunft erhalten die Stammkunden ihren halbtrockenen „Dornfelder“ oder eine „Bacchus“-Spätlese.
Aber dem Ehepaar Krebs ist es gelungen, die Winzerei ins neue Jahrhundert hinüberzuführen. Mit dem Ausbau des gastronomischen Angebots orientieren sie sich an südafrikanischen und australischen Vorbildern, die die klassische Weinprobe zu einem Event mit Weinverkostung, Speisen und Übernachtung werden lässt.

Im Internet gibt’s mehr Infos:
https://krebs-grode.de

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2 Kommentare zu „Hessen – nein, Rheinhessen

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