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Waterloo

Stufe für Stufe erklimme ich den Löwenhügel, die höchste Erhebung in weitem Umkreis. Der Atem geht schwerer, die Beine ebenfalls.

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Löwenhügel

Knapp 40 Meter hoch ist der Anstieg –  nichts für schwache Herzen. Oben erwartet mich ein beeindruckender Rundblick. Vor 203 Jahren stand hier Herzog Wellington in Erwartung der entscheidenden Schlacht gegen Napoleon. Der Hügel wurde allerdings erst 1816 künstlich aufgeschüttet.
Das eigentliche Hauptquartier des englischen Oberbefehlshabers lag 5 Kilometer nördlich in dem Örtchen Waterloo. Heute ist Waterloo eine Stadt mit knapp 30.000 Einwohnern, das Hauptquartier ein Museum. Als ich von dort auf die „Höhen“ des Mont St. Jean wandere – dort steht heute ein Besucherzentrum mit Brauerei – gewinne ich einen ersten

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Schlachtfeld von Nordwesten aus gesehen

Eindruck von dem historischen Schlachtfeld. Mild geschwungen, nahezu weitläufig liegt es vor mir. Damals ideal für das Aufeinandertreffen dreier Armeen. Die Gräben und Hecken sind heute verschwunden, kleinere Anhöhen dem Straßenbau zum Opfer gefallen. Dennoch kann ich mir gut das Szenario vorstellen. Hier wird Geschichte zur Landschaft, oder umgekehrt, die Landschaft spricht als historischer Zeuge zu mir. Ich fahre dann zum eigentlichen Ziel meiner Reise: La Haye Sainte. Ein Meierhof, der noch

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La Haye Sainte / La Haie Sainte

heute ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, und den etwa 400 deutschen Soldaten der Königlichen Deutschen Legion als Deckung nutzten, um den Vormarsch Napoleons zu behindern. Jenen Usurpator, den die Alliierten nicht auf Elba festhalten konnten und der sich nun anschickte, seine Macht zurückzuerobern. Heinrich Heine nannte ihn Le Grande; aber es soll ja auch heute vorkommen, dass Mitglieder von Religionsgemeinschaften, die ihren Ursprung einst im levantinisch-arabischen Wüstenraum hatten, mit ausländischen Diktatoren sympathisieren.
Die deutschen Soldaten im Dienst des hannoverisch-britischen Königs Georg III. zeigten innerhalb und vor den Mauern des Bauernhofs im Zentrum des Schlachtfeldes von Waterloo einen unglaublichen Heldenmut. Sie verteidigten unter hohen Verlusten lange Zeit ihre Stellung gegen eine zahlenmäßig horrend überlegene Übermacht. Die Franzosen konnten zwar den Hof einnehmen, doch es war zu spät.
Heute ist der Löwenhügel der Abschluss meines Besuches. Als es den Hügel noch nicht gab, konnte Wellington an dieser Stelle nur abwarten, was Napoleon vorhatte, und … wann endlich die Preußen kämen. Am Spätnachmittag erreichte Feldmarschall Blücher das Kampfgeschehen, damit waren Napoleons Träume endgültig besiegelt. Die Erde der knapp 2 Kilometer tiefen und 4 Kilometer breiten Ebene war blutgetränkt: zur Nacht des 18. Juni 1815 waren 47.000 Männer gefallen oder verwundet. Den deutschen Soldaten von La Haye Sainte fiel der Ruhm zu, den Vormarsch Napoleons entscheidend aufgehalten zu haben.
Das Buch zum Tag: Brendan Simms, Der längste Nachmittag.

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Diorama zu La Haye Sainte
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Ein Kommentar zu „Waterloo

  1. Danke für den ausgezeichneten Bericht und die entsprechenden Bilder. Alles gut und anschaulich beschrieben. Mein Interessengebiet ist die Zeit der französischen Revolution bis zum Ende der Zeit Napoleons I.

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