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Rubens, Rindswurst und Regiearbeit – Ein weiterer Kulturtag in Frankfurt

Meinen Freund Roland J. kennen die Leser*innen meines Blogs als Gastgeber meiner Kulturreise ins Schwabenland (Monsun?!). Heute wird er mein Begleiter durchs

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Mit dem Landesticket unterwegs

kulturelle Leben in der Mainmetropole sein. Wir treffen uns im Bahnhofsviertel, vorm Hotel Tokyo Inn. Wer eine Japanreise plant, kann hier schon einmal testen, ob er mit japanischer Hotelausstattung zurechtkommt. Alles ist funktional und auf den Millimeter ausgeplant. Für uns zählt der Preis – wir wollen ja nur eine Nacht bleiben.
Zuerst möchte Roland einkaufen. Getreu dem Grundsatz: Wer glaubt, Glück könne man nicht kaufen, war noch nie richtig shoppen., lassen wir uns mit den Menschenwellen auf der Zeil treiben. Zur Stärkung schlürfen wir einen Cappuccino in der Bar Celona.
Roland kommentiert mein Outfit damit, dass ich „elegant“ gekleidet sei. Zu Mainhattan, wo nur zählt, dass Geld möglichst schnell von einer Hand in die nächste wandert, sind Anzug und Trenchcoat meine Eintrittskarte. Bei Bucherer wird uns unverzüglich ein Kaffee angeboten, und wir können uns ungestört die Uhren in den Auslagen anschauen. Roland stellt sich hier einmal mehr als Experte für mechanische Chronometer heraus (Seine Uhren-Plattform heißt wtchs.org – zur Zeit noch in der beta-Phase).
Wie schlendern weiter über Frankfurts Einkaufsstraße Nummer eins. Roland zieht es in Elektronikläden. Ich dackele hinterher.
Gegen Mittag knurrt uns der Magen. Heute werde ich Roland mit der frankfurter Gastronomie vertraut machen. In der Kleinmarkthalle stellen wir uns bei Frau Schreiber in die Schlange und verdrücken eine Rindswurst von Gref-Völsing mit Brot und Senf.
Die Wurst weckt Durst! Wir gesellen uns zu den Weintrinkern vor der Kleinmarkthalle und spülen die Wurst mit Riesling und Kerner herunter.
Nach dem Essen soll man / frau 1000 Schritte tun – das ist genau die Strecke bis zum Städel. Die Peter Paul Rubens Ausstellung knüpft an den Blogbeitrag „Rubensstadt“ Siegen (aka „Krönchenstadt“) an. „
Mein semitalienischer Freund zeigt sich von Rubens’ Malkünsten wenig beeindruckt. „Sehr gutes Kunsthandwerk.“ Mehr nicht. Nun denn, der in Siegen geborene Niederländer war kein Michelangelo. Kein Tizian. Kein da Vinci.
Seine Technik der Emulation bezeichnet Roland etwas abschätzig als „copy and paste“.
Beim Anblick der Fleischmassen in seinen Gemälden halte ich hingegen einen Warnhinweis für Veganer und Vegetarier für sinnvoll.

 

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Der Imperator aus Star Wars.

Wie nachhaltig Rubens die Kunstwelt beeinflusst hat, zeigt sich vielleicht am besten im Auftreten des „Imperators“ in seiner „Die Grablegung Christi“ (um 1612).
Dann wird es aber Zeit für den ersten Äppler. Wenn wir schon in Sachsenhausen sind, dann gehen wir auch ins Gemalte Haus. Zum Hausgetränk schiebt uns der Kellner eine Vesperplatte rüber, die wir zu zweit kaum schaffen. Roland zeigt sich gegenüber der hessischen Geschmackswelt ausgesprochen tolerant. Muss er auch, der Abend ist ja noch lang…

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Hauptsache „reichlich“

Der nächste Programmpunkt ist das Schauspiel. Arthur Millers Alle meine Söhne in der Bearbeitung Anselm Webers. Einige Schauspieler*innen habe ich in der Woche zuvor in Rose Bernd gesehen. Und auch heute habe ich das Gefühl, dass ihnen die richtige Führung durch eine*n Regisseur*in fehlt. Fast alle agieren wie „Staatsschauspieler“. Zumindest nenne ich so diese Art zu schauspielern bei meinen Schüler*innen, wenn ich den Eindruck habe, dass sie ihrerseits nur Schauspieler*er imitieren, die eine Rolle spielen. Und nicht, wie ich es mag, authentisch agieren. Das Miller-Stück wirkt hölzern, überzogen, oft unglaubwürdig. Und Stühle umherwerfen als Wutausbruch…da ist anderen schon mehr eingefallen. Ich fürchte, dass nach dem Weggang von Thalheimer und Reese das Schauspiel wieder an dunkle vergangene Zeiten anknüpft. Mich wird es jedenfalls eine Weile nicht mehr sehen.
Theaterluft ist besonders trocken. Der Äppler beim Wagner ist das passende Gegenmittel. Da der Innenhof um 11 Uhr geschlossen wird, wechseln wir zum Fichtekränzi. Hier entdeckt Roland den typischen Humor der sachsenhäuser Kellner, als er fragt, ob der spanische Wein trocken sei. Der Kellner antwortet: „Das kann isch Ihnen net saache. Sowas trink’ isch net. Awwer mir können’en ja gemeinsam probieren.“ Ich halt mich ans Stöffche.
Im Fichtekränzi gibt’s noch Sperrstunde. Uns reicht es auch. Zurück ins Bahnhofsviertel ist’s ein guter Fußmarsch. Die Betten im Tokyo Inn sind bequem und die Wände hervorragend isoliert. Gute Nacht, Frankfurt!

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Waldorf und Statler?

 

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3 Kommentare zu „Rubens, Rindswurst und Regiearbeit – Ein weiterer Kulturtag in Frankfurt

  1. Die wenig respektvolle Annäherung an Rubens ruft natürlich Roda Roda in Erinnerung:
    Wollte in der Czerninschen Galerie den Rubens sehen, „Drei Frauen“ und fragte im Flur unten die Diener, wo denn das Bild hänge……….Als ich wiederkam, nach einer Viertelstunde, geleitete mich der Diener hinaus, verbeugte sich beim Abschied tief und fragte: „Waren S´
    zufrieden, pittäh? mit Herrn Rubens?

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