Veröffentlicht in Allgemein

„Kulturtag“ in Frankfurt

Allen meinen Leser*innen wünsche ich ein frohes neues Jahr 2018!
3. Januar 2018
Erste Station: Matisse & Bonnard
Während Matisse zum Bildungskanon gehört, war mir Pierre Bonnard bisher so gut wie unbekannt. An anderer Stelle habe ich mich schon zum Phänomen der Männerfreundschaft geäußert. Die Ausstellung im Städel feiert die außergewöhnliche (und lange) Freundschaft beider Maler. Nicht nur, dass sie sich gegenseitig befruchteten, indem sie sich Ideen schenkten; bildhaftes Beispiel dafür ist der liegende Akt (auf weißblau kariertem Grund). In der spannenden Zeit der Moderne ist die Entwicklung des einen ein Spiegel für den anderen und umgekehrt. Und wie es gute Freunde tun, kamen sie sich nicht ins Gehege, sondern mieden die Sujets des anderen. To live and let live.
Bonnards Stil empfinde ich als sehr mutig. Er sucht den Reflex, den andere Farben in derFoto(14) Umgebung auf einer Fläche (z.B. Haut) hinterlassen. Reflektiertes oder einstrahlendes Licht legt er wie einen Schimmer auf die Haut, z.b. bei seinem Akt am Fenster (von ca. 1922). Gemalte Poesie.
Damit verwirrt er uns als Betrachter, die mit einer eigenen Farberwartung an die Welt oder eben an ein Bild herantreten, und lässt uns die Dinge neu sehen. So wie die Farbreflexe erfassen seine Bilder auch, welche Stimmung eine Szene hervorruft. Und es gelingt Bonnard, dass seine Bildern diese Stimmung ausstrahlen. Kein Wunder, dass ihn Spiegelungen und Fensterblicke immer wieder herausfordern. Bei aller Reflexion bleibt aber das Eigentliche erhalten, die Form, die Farbe, das Sujet. Matisse wird dadurch gepusht, stärker zu abstrahieren, dieser Eigentlichkeit neuen, jetzt abstrahierenden Ausdruck zu geben (Großer liegender Akt von 1935).
Zweite Station: Holbein’s. Ein üppiges Frühstück. Lekker Früchtejoghurt. Die Fenchelsalami lässt mich dahinschmelzen. Guter Kaffee. Gediegene Atmosphäre. Das neue Jahr beginnt gut. Draußen spielt das Sturmtief Burglind mit nutzlos gewordenen Tannenbäume Kegeln.
Dritte Station: Museum für angewandte Kunst: Jil Sander.
Die Mode-Ikone wurde im selben Jahr geboren wie meine Mutter. Beide verbindet die Nähe zum Textilgewerbe: Meine Mutter als Näherin in einer Textilfabrik, Jil Sander als Textilingenieurin. Als Jil Sander in Kalifornien offensichtlich ihre Initiation erlebte, hatte meine Mutter mich schon zur Welt gebracht und trug meine Schwester in sich. Zwei weitere Kinder sollten folgen. Später eine Anstellung im öffentlichen Dienst. In derselben Zeit eröffnete J. S. ihr erstes Geschäft in Hamburg. Beide Frauen lieben Gärten: J. S. legte ihren kunstvollen Park irgendwo in Norddeutschland an, meine Mutter zog Rosen und Gemüse in ihrem Nutz- und Ziergarten. Während J. S. ihr eigenes Parfum kreierte, dufte Foto(13)unser Haus am Samstag nach frisch gebackenem Kuchen. Zwei Biografien von Frauen im Nachkriegsdeutschland, die unterschiedlicher nicht sein können, auch wenn ich hier die Gemeinsamkeiten – mit einem Augenzwinkern – gesucht habe. Ich denke, sie machen deutlich, mit welcher Spannweite sich die gesellschaftliche Entwicklung der alten Bundesrepublik öffnete. Vielleicht aber auch, wie sehr J. S. trotz aller femininen Betätigungsfelder sich besonders an den Geschlechterrollen ihrer Zeit abarbeitete: an den Rollenfestlegungen, den Funktionen und den Verhaltensweisen, die die Gesellschaft den Geschlechtern zuwies. Und wo wird das deutlicher als an Mode und Bekleidungsvorschriften? Vielleicht erklärt dieser Kampf das Androgyne in ihrer Ästhetik. Das „dritte“ Geschlecht, das androgyne Wesen, das über dem Geschlechterkampf steht. Und ihr die Projektionsfläche für ihre Arbeit gibt. Ihre Frauen schreiten als Jungen auf dem Laufsteg, ihre Männer verharren in femininer Ausstrahlung. Die Mode verzichtet auf einengende, aber auch auf geschlechtsspezifische Attribute. Weiche, wellenartig fließende, bequeme und fast flächige Schnitte.
Wenn man wie ich auf einem Landgymnasium arbeitet, ist das Lehrer*innenzimmer der Ort auf dieser Welt, der von Haute Couture am weitesten entfernt liegt. Über die Kleidung von Studienrätinnen sind schon genug Witze gemacht worden. Aber auch die Herren glauben, dass man mit Fjällräven oder Jack Wolfskin gut gekleidet sei. Einzelne Exemplare wurden schon in Engelbert Strauss gesichtet, so als wollten sie nicht mehr unterrichten, sondern den Klassenraum neu streichen oder den Abfluss reparieren.
Inzwischen ist auch meine Kommilitonin Birte W. dazugekommen. Gemeinsam wandeln wir durch die Ausstellungsräume und stellen fest, dass uns die haptischen und olfaktorischen Eindrücke fehlen. Wenn J. S. so viel Wert auf die Materialien legt, würden wir das ganz gerne auch fühlen. Und der Showroom ihrer Parfumkreationen riecht nach nichts. Irgendwie witzlos.
Vierte Station: Café Metropol am Dom. Voll die 80er Atmosphäre. Für mich ein wenig zu alternativ, da hier eine ganze Zeitspanne konserviert wird, die im letzten Jahrtausend stattfand. Ewiges Gestriges gibt es, deutlich zu sehen, auch „links“. Und so toll waren die 80er nun auch nicht.
Fünfte Station: Caricatura-Museum. Eine Ausstellung zum 80. Geburtstag von Robert Gernhardt. Zeichnungen, Notizhefte, Audios und Videos, Karikaturen. Auch dies ein Ausflug in die 80er (mit ein wenig davor und danach). Nun ja, er war bestimmt ein Highlight dieser Zeit (jedenfalls in meiner Erinnerung). Hiernach kommt eine weitere Kommilitonin, Elisabeth K., dazu.
Sechste Station: Café und Bar Celona. Noch ein, zwei Getränke. Gespräche über dies und das. Verabschiedung.
Birte, vielen Dank für den Tipp mit der Museumsufercard   https://www.museumsufercard.de
den ich hiermit gerne weitergebe!

Foto(12)
Zum Abschluss ein paar Punkte für Christiane
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