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Farewell to Jerusalem!

Der vergangene Abend hielt noch einmal einen Höhepunkt bereit: Die Friedensmesse von Karl Jenkins ( The Armed Man: A Mass for Peace). Neben dem Collegium Vocale aus Bad Homburg (Deutschland), sangen der Olive Branches Choir aus Bethlehem und der Mädchenchor der Schmidtschule aus Jerusalem. Die Instrumentalsolisten kamen aus Tel Aviv und Deutschland. Den Solistenpart übernahm Hayat Chaoui (Sopran), eine in Deutschland geborene Tochter marokkanischer Eltern, die ja auch keine Unbekannte mehr ist.
Auch in Jerusalem sorgte nach Ansicht von Prior Nikodemus das in dieser Messe gesungene Allah akbar für einen Skandal. Der eigentliche Skandal bestehe aber darin, dass „Menschen sich abschlachten“.
Wir verabschiedeten uns von Jerusalem in seinem Bermudadreieck, in der Hoffnung, dort ein wenig Normalität dieser Stadt erlebt zu haben.

Ein Abstecher führt unsere Reisegruppe ins Westjordanland, um genau zu sein zur Siedlung Ma’ale Adumim. Der Sprecher der dortigen Siedler, Daniel Marks, zeigt unverblümt eine in seinen Worten extremistische Haltung, die den Siedlern einen Rechtsanspruch für ihre Landnahme zusteht. Dabei steht der unscharfe Begriff der Umsiedlung im Zentrum, denn nur die sei verboten (müsse aber gewaltsam ablaufen, die Siedler kämen aber freiwillig). Darüber hinaus spricht er den Palästinensern eine nationale Eigenstaatlichkeit ab. Das macht den Dialog wohl insgesamt schwierig!

Anekdote:
Im Bus sitze ich wegen meiner Größe hinten in der Mitte. Ich bin also angestammter Be-sitzer. Heute Morgen setzt sich eine Mitreisende auf „meinen“ Platz. Sie wird damit zur Besatzerin oder, wie sie sich selbst bezeichnen würde, zur Siedlerin. Mit meinem Gesichtsausdruck mache ich ihr deutlich, dass ich davon wenig begeistert bin. Diese harmlose Kritik interessiert sie aber gar nicht. Sie meint nur lapidar: „Perspektivenwechsel!“, und hält das für einen gelungenen Scherz. Gleichzeitig meint sie damit auf einer Metaebene eine Rechtfertigung für die Vertreibung geschaffen zu haben (nicht unbedingt einem der Bücher entlehnt wie Koran, Thora oder Bibel, aber doch auf einen sozial und ethisch hochstehenden Metadiskurs, nämlich dem der Konfliktforschung verweisend).
Ich muss mich der Gewalt beugen und zwänge mich in eine Sitzreihe, die für mitteleuropäische Maßstäbe eindeutig zu eng angelegt ist. Da meine Art der Kritikäußerung ignoriert wurde, der Platz aber verloren war, meinte ich nur: „Das ist das Problem mit den Zwergen, sie verstehen die Probleme der Riesen nicht.“
Etwas später meinte die Siedlerin, sich dazu äußern zu müssen: „Sie haben wohl wegen ihrer Größe dort hinten gesessen. (welch überragende Erkenntnis!) Das hätten sie ja sagen können. Aber nicht auf diese Weise!“ – und blieb sitzen.
Also beanspruchte sie bei aller Aggression auch noch die moralische Deutungshoheit. Wieder fiel meine Replik nur rhetorisch aus: „Ich habe nur reagiert. Aktion erzeugt Reaktion. Das lernt man doch in diesem Land.“ Den feinen Hinweis überhörte sie. Sie blieb sitzen, und ich musste mich wieder zwischen die Sitze quetschen.

Und so verstand ich die Siedlungsproblematik des Landes!

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Massada
Die Festung Massada liegt nur 33 Meter hoch … über dem Meeresspiegel. Hinunter zum Toten Meer sind es knapp 300 Meter. Damit thront sie mit weitem Einblick in den Eingang ins Jordantal.
Seit meinem Studium (Flavius Josephus und die Zeit des Herodes) geistert der Name dieser Festungsanlage durch meinen Kopf. Ich bin von der Größe der Anlage überrascht. Nach oben bringt uns eine Seilbahn, nur zurück ins Tal nehmen wir den Schlangenpfad.

 

 

Direkt am Toten Meer übernachten wir in einem der hiesigen von Russen sehr geschätzten Hotels, dem David. Neben all den Skurrilitäten dieses Landes nun auch diese: man geht IMG_1137im Wasser nicht unter. So muss sich also ein Korken fühlen, wenn er an der Angelleine ins Wasser geworfen wird. E. meint dazu: „Auch das ist politisch gewollt, Israel kann nicht untergehen.“

„debieriert“
Auf dieser Reise müssen wir feststellen, dass Temperatur und Trockenheit am Körper zehren. Wir erfinden dafür das Wort debieriert, in Anlehnung an dehydriert, aber da wir keine Kamele sind, ist uns das Wassertrinken bald leid. Wir bitten die Deutsche Gesellschaft für Sprachforschung um Aufnahme!

 

 

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Ein Kommentar zu „Farewell to Jerusalem!

  1. „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“
    Sorry für die sehr eigenwillige Deutungshoheit der Sopranistin. Cordialmente – Eddy

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