Veröffentlicht in Allgemein

Sonntag, 15. Oktober 2017

Am christlichen Ruhetag gehen wir – richtig! – in die Moschee!
Aber nicht in irgendeine, sondern in die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg. Suleimann Dayee, Ehemann der Vertreterin der Palästinenser in Berlin, macht es möglich. Während die anderen Touristen auf dem Tempelberg herumirren, fotografieren wir den Felsen (im Felsendom), von dem aus der Prophet gen Himmel fuhr. Abraham soll an dieser Stelle auch versucht haben, seinem Sohn Isaak das Lebenslicht auszublasen. Ma waases net!
Für mich bleibt es erstaunlich, dass Frauen in Deutschland leichtfertig ein Kopftuchverbot für überflüssig halten, hier aber um jede Haarsträhne und jeden Quadratzentimeter Haut kämpfen, und deshalb die Sittenwächter ständig ermahnen und die Kleidung korrigieren oder ergänzen müssen.IMG_1038
Als Mitbringsel kaufe ich eine handwerklich gefertigte Umhängetasche auf dem Suk (Basar) bei einem jüdischen Händler. Meine Mitreisenden lachen mich aus, weil ich den Preis nicht verhandelt habe. Bei einem christlichen Händler wird aber dieselbe Tasche um 50% teurer angeboten. Nebenan verkaufen muslimische Händler Rosenkränze. Und zu guter Letzt werde ich von einem jüdischen Israeli gewarnt, alle „taxis are thieves“. Als Taschendieb entpuppte sich aber ein Postkartenverkäufer. Mit Hilfe modernster israelischer Überwachungstechnik braucht die Polizei nur 10 Minuten, dann kommt das Bild des Täters an die örtliche Polizeistation, eine halbe Stunde später ist der Dieb verhaftet. Bedenklich, oder? Big Brother is watching you.
Am Nachmittag trafen wir in Ramallah zwei Aktivisten der „peace combatants“. Mit jugendlichem Idealismus stellten sie uns ein Friedensprogramm vor, das israelische Soldaten und israelische Freischärler zusammenbringt. Einen Film über diese Friedensaktivisten findet man bei Netflix.
Den Trailer gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=cGlkl3woWtg
IMG_1077Wir erleben hier in Israel, was das Wort Parallelgesellschaften wirklich bedeutet: Ein Nebeneinander religiöser, ethnischer und weltanschaulicher Gruppen, die sich voneinander abgrenzen, gegenseitig ablehnen, Mauern bauen, eigene Viertel besiedeln und sich einander … umbringen.
Prior Dominikus merkt dazu an, dass er sich sehr wohl mit christlichen Mönchen anderer Konfession austauschen könne, mit Rabbinern religiöse Themen wie zum Beispiel das Hohelied von Salomon diskutiere, zum Sukkoth oder zu Hannukah eingeladen werde. Mit Imamen bestehe aber über die Höflichkeit hinaus kein außerordentlicher Kontakt.
Je größer diejenigen Gruppierungen werden, die andere nicht tolerieren, diese Stadt , wie sie jetzt ist, im Grunde ablehnen, desto weniger werden diejenigen, die für Zusammenarbeit und Einigkeit stehen. Parallel dazu gehen diejenigen Menschenrechte verloren, die bei den jeweiligen Gruppierungen unterhalb der eigenen Werte stehen.
Der Tag endet mit dem Besuch der Klagemauer. Seit meiner Konfirmandenzeit spukt dieser Begriff in meinem Gedächtnis herum. Der Anblick ist dann weniger spektakulär als gedacht. Die religiöse Ergriffenheit der betenden Juden kommt für mich aus einer anderen Welt. Meiner Welt entspricht eher das Bermuda-Dreieck von Jerusalem um die Ben Yehuda Straße herum, also die Fußgängerzone. Heute hat die Stadt die Sabbat-Ketten abgelegt. In allen Straßen flanieren junge Menschen, oft gehen ganze Familien nach dem Besuch der Synagoge gemeinsam essen. Die Kneipen und Restaurants sind gut besucht. Ich essen einen koscheren Big Mac im Restaurant zur goldenen Möwe, in meiner persönlichen Big-Mac-Wertung ist er der zweitschlechteste der Welt. Und selten habe ich ein so dreckiges Lokal mit einem so unmotivierten Staff gesehen. (Noch schlechter ist nur ein McDonald’s in York, GB.)
Uns zieht es ins Hataklit in der H. Hamalka Straße. Hier gibt’s gute Musik (analoge Platten, deshalb der Name des Restaurants, Schallplatte) und das Bier noch für 22 Schekel (ca. 5€).

 

 

 

 

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