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Genius Loci

Was macht man*frau mit Häuserfassaden, wenn sie restauriert sind und die Tourist*innen sie von vorne und von hinten mehrmals besichtigt haben!
Man überführt sie ins 21. Jahrhundert…mit Videoinstallationen!
Seit 2012 findet in lauen Weimarer Sommernächten ein Festival für IMG_0577Fassadenprojektionen statt. Unter dem Titel Genius Loci zeigen junge Künstler*innen, dass alte Häuserfassaden ganz lebendig werden können. Dazu schallt lautstark passende Musik, elektronische Klänge, oft von meinen geliebten Kraftwerk beeinflusst.
Onkel Bo ist beeindruckt. Und da die Fotos hier nur schemenhaft wiedergeben können, was sich da im August 2017 auf den Frontwänden der ehemaligen Notenbank, des Cranach-Hauses und der Herder-Kirche abspielt, hier ein Link zum Video:
https://vimeo.com/229695852
Alte Veranstaltungen finden sich hier: https://vimeo.com/geniuslociweimar
Schon im Frühjahr werden in den Weimarer Schaufenstern die Pappschablonen der auserwählten Gebäude ausgelegt. Eine Jury wählt die besten Videoinstallationen aus, die dann an zwei Sommerabenden im halbstündigen Abstand präsentiert werden.
Spannend finde ich den Kontrast zwischen historischen Gebäuden und Videoprojektionen. Zwischen klassischem Ambiente und moderner elektronischer Musik. Zwischen Licht und Dunkelheit. Zwischen persönlichem Kunstgenuss und tausendfachen Besuchermengen. Im Gegensatz zur Malerei und zu Skulpturen sind Videoinstallationen dem Moment der Präsentation ausgeliefert. Als Betrachter kann man*frau sie wahrnehmen, an ihnen teilnehmen, sogar in sie hineingeraten. Aber man*frau kann sie schlecht mit nach Hause nehmen. Und das allerorts übliche Hochhalten von Handys kann diesen Moment nicht konservieren.
Wer mit Schüler*innen einmal eine Gemäldesammlung am Abend besichtigt hat, weiß, dass sie ganz anders als am schulischen Vormittag auf die Kunst reagieren. Es ist kein Geheimnis, dass am Abend, wenn die Dunkelheit und das Spiel des künstlichen Lichtes die Sinne von uns Menschen weich werden lassen, die Kunst näher zur Seele vordringt, anders als am Morgen, wenn unsere Verstandes-Abwehrkräfte noch wach sind. (Aus dem Grund halten die Nazis bis heute abendliche Fackelzüge ab…)
Mir geht es nicht anders als meinen Schüler*innen. Und ich genieße es, dass die Farben, Formen und Bewegungen meine Seele ergreifen und für 10 bis 15 Minuten entführen. Wer mir nicht glaubt, sollte selbst nach Weimar fahren, das nächste Genius Loci Festival ist 2018.

 

 

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3 Kommentare zu „Genius Loci

  1. Na, Onkel Bo, du hast gar nicht geschrieben, dass dies eine kulturelle Empfehlung vom Kulturhecht war. Freut mich, dass es dich so beeindruckt hat.

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  2. Ich finde es schön, wenn man die Ursprünge des Genius voranstellt, den Schutzgeist in der römischen Mythologie. Haben diese Orte, die heute eine große Anziehungskraft auf den Betrachter ausüben nicht einen solchen gehabt, der Geschichte lebendig gehalten hat? Ich denke ja. Somit lässt der Geist des Ortes zwei wunderschöne Interpretationen zu.
    Ich habe in diesem Jahr im Stubaital, die multimediale Ski- und Tanzperformance „GAIA – Mutter Erde“ (https://www.stubai.at/gaia) angeschaut. Die wunderbare Mutter Erde, die uns Menschen beschützt, die uns Hoffnung gibt. Die Vergänglichkeit von Schnee, das Vergehen und die Erneuerung des Lebens als Projektionsfläche, verbunden durch Gesang, Musik und die Erzählung der Geschichte durch die Protagonisten auf Skiern. Der Schnee vergeht und das Geheimnis lüftet sich dem Betrachter nur in diesem kurzen Moment.
    Auch das ist Kunst, aber eben vergänglich und nicht eins zu eins reproduzierbar. Der Genius loci ist überall, Mann*Frau muss ihn nur sehen wollen. Er beeinflusst, er fasziniert, er schreckt ab, er ist freundlich, er ist bedrohlich, er ist einzigartig, er ist Geheimnis und vergänglich. Er ist Spiritualität.
    Ich freue mich auf den nächsten Gedankenaustausch 🙂 oder, Wie sich Gedanken entwickeln und ergänzen können.

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