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Onkel Bo auf Reisen III.2

Ein Logbuch verlangt iteratives, datumgebundenes Eintragen. Sonst fehlt die Kontinuität. Selbst wenn nichts passiert: Tagebucheintrag Ludwigs XVI. am Abend des 14. Juli 1789: „Rien!“
Nun, im Vergleich dazu ist mir heute viel passiert, mehr als dass es ein „rien“ verdiente. Von Bad Blankenburg fahre ich nach Saalfeld (nein, nicht Hinterglemm). Die Stadt wirbt mit einer „Feengrotte“. Da ich als Tourist unterwegs bin, kann ich an dieser touristischen Sensation schlecht vorbeifahren. Zusammen mit einem Dutzend Vorschulkindern, deren Eltern und einigen mehr oder weniger schrittsicheren Senioren steige ich in den Berg, IMG_0400der ehemals zum Abbau von Alaun diente. Ein ehemaliger Steiger bessert sein Ruhegehalt mit einer launigen und sachkundigen Führung auf. So erfahren wir, dass Leitern Fahren, Luft Wetter und Werkzeuge Gezähe heißen. Die Salze werfen bunte Bilder von den Wänden zurück, Stalagtiten und Stalagmiten bauen bizarre Landschaften, in denen vorgeblich Feen hausen. Die Führung ist kurzweilig, und nach einer Stunde besteige ich wieder meinen Bulli.
Von a nach b zu kommen erweist sich euch heute wieder als unmöglich. Der Gleichung wird immer ein U wie Umleitung zugefügt. Erstaunlich, wie viel Geld derzeit in Verkehrsprojekte gesteckt wird. Hat sich da etwas angestaut, oder ist einfach zu viel Geld im Umlauf? Falls letzteres zutreffen sollte: Wie wär’s mit einem Nebenlauf für die Schulen (und wohlgemerkt NICHT für die Anschaffung von Computern…)?
So wurschtelt sich mein VW T3 über thüringische Landstraßen bis nach Bad Lobenstein. Hier liegt das „Thüringische Meer“ (ach, der Hang zu Miniaturen). Jedes der 5 „Weltmeere“ ist ein Stausee, wobei der Bleiloch-Stausee immerhin der größte seiner Art in Deutschland ist. Leider ist die Gegend für einen Besuch mit meinem Bulli weniger geeignet. Ich habe mit Panoramastraßen wie in meiner Heimat, am Edersee gerechnet. Die Straßen am Oberen Saaletal halten mich sehr auf Abstand zum Wasser. Dazu die nervenden Umleitungen…Nun ja, als Wanderer hätte ich wohl spektakuläre Aussichten, aber mir ist nicht nach Wandern.

IMG_0418
Saale Stauwehr in Ziegenrück

Mein tapferer Kleinbus folgt dem Lauf der Saale nach Norden. Warum eigentlich?
Meine Muttermutter ist in Halle an der Saale geboren worden. Erst als Kind folgte sie ihren Vater nach Nordböhmen (Riesengebirge). So lerne ich eine der Landschaften meiner Muttervorfahren kennen, nachdem ich mit der Picardie, den Seealpen und Westholland die Vatervorfahrenursprünge abgeklappert habe. Und Nordböhmen habe ich kennengelernt, als ich in Prag arbeitete. Von jeder dieser Landschaften steckt etwas in mir drin, glaube ich jedenfalls.
Am späten Nachmittag lande ich in Bad Kösen, Geschwisterstadt meines Wohnortes Nidda. Nach Crest und Cromer die letzte der drei Partnerstädte, die ich besuche. Erwartungsgemäß seeeeehr ruhig. Ein Gradierwerk (wie in so vielen Badekurorten), ein „Romanisches Haus“ aus dem 12. Jahrhundert, artige Häuser und ein ordentlicher Campingplatz. Von hier aus werde ich das Saale-Unstrut-Weingebiet erkunden (dem kürzlich wieder einmal der Titel „Unesco-Weltkulturerbe“ abgeschlagen wurde. Schade!)

 

 

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Ein Kommentar zu „Onkel Bo auf Reisen III.2

  1. Hast du schon Schulpforte gesehen? Und im Fischhaus gegessen? Da habe ich viel Zeit verbracht!!!!
    Dann musst du noch zum Naumburger Dom, in die Weinberge und zur Grabstätte Max Klingers?.. Oder komm doch erst auf einn Bier vorbei!

    Gefällt mir

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