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2 Fliegen mit einer Klappe

 

„Blickachsen“ in Bad Homburg? Die Skulpturen standen schon länger auf meiner Agenda. Und ein Jazz-Konzert obendrauf? M. machte es möglich, als sie mich zu „Swinging Castle“ einlud, dem Jazz-Festival in Bad Homburg.
Einem Freund, H., war aufgefallen, dass mein letzter Beitrag etwas melancholisch rüberkommt. Bei mir in der Übergangszeit von Schuljahr und Sommerferien nicht ungewöhnlich.
Robert Burton, ein englischer Gelehrter des 17. Jahrhunderts, schrieb zur Melancholie: „Das gilt insbesondere für diejenigen, die für ein geschäftiges Leben bestimmt waren, sich ständig in Gesellschaft bewegten und plötzlich zu einer wenig abwechslungsreichen Lebensweise übergehen. Im Nu leidet ihre Seele Höllenqualen … Ein einsamer Tag, ja manchmal eine einsame Stunde richten mehr Schaden an, als eine arbeitsame und gesellige Woche wiedergutmachen kann. Die Melancholie springt sie an, sobald Ablenkung fehlt, und peinigt sie derart, daß der weise Seneca treffend bemerkte, er wäre lieber krank als müßig.“ (Robert Burton, The Anatomy of Melancholy, Oxford 1621. Deutsch: Anatomie der Melancholie. Artemis Verlag Zürich und München, 1988, S. 188.)

Ein kleiner Ausflug an den Taunus könnte also nicht verkehrt sein. Die Parkanlagen in Bad Homburg genießen zu Recht ihren hervorragenden Ruf. Dazu gibt’s bei hr2 die Sendung „Doppelkopf“ vom 22.6.2017: (auch als Podcast zum Nachhören)
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=9108&xtmc=doppelkopf&xtcr=1

Skulpturen brauchen Platz, um ihre räumliche Wirkung zu entfalten. Parks sind dafür wunderbar geeignet. Leser*innen, die sich dafür interessieren, können gerne auch die Bad Homburg 1Skulpturen im Kurpark von Bad Salzhausen besuchen. Aber zurück zu Bad Homburg: Leider brach ein Unwetter meinen Spaziergang vorzeitig ab. Ich flüchtete in die „Klosterschänke“, um mich bei Äppler und Handkäs mit Musik zu stärken. Nebenan saßen vier ganz in Schwarz gekleidete Herren, die ihr Konzertprogramm besprachen. Eben jene Mitglieder der „Echoes of Swing“, die ich mir später anhören wollte. Das klang schon schwer relaxed, wie die Musiker mal eben in ein paar Sekunden die Reihenfolge der Lieder, die sie spielen wollten, festlegten. Jazzer halt!
Diejenigen, die meinen Unterricht kennen, (dürften wohl eher Schüler*innen sein) wissen, dass ich das Konzept des Jazz auf meinen Unterricht übertragen habe: Melodien im Kopf, Rhythmus im Blut. Lieblingsjazzer als Vorbild: Keith Jarrett. Für meinen Unterricht heißt das, dass ich mir entsprechende „Bausteine“ zurechtlege, aber wie und wann ich welche einsetze, ergibt die Unterrichtssituation. Oder wie es der große Showmaster Rudi Carell zu sagen pflegte: „Wenn du ein As aus dem Ärmel holen willst, musst du vorher eins reinstecken!“ Überflüssig, zu erwähnen, dass man*frau für eine solche Vorgehensweise sein*ihr Handwerk und das jeweilige Fach beherrschen sollte. Ja, ich weiß, klingt schwer überheblich…Bad Homburg 2
Eine Vorgehensweise, die meine Ausbilder, die von mir eine „Partitur“ erwarteten, zur Weißglut brachte. Meine Vorgesetzen, die Unterricht eher wie den in der DDR erwarten – mit hundertprozentiger Vorhersagbarkeit der Abläufe und maximaler Beachtung der Lehrpläne und Erlasse – können damit auch wenig anfangen.
Das Konzert der „Echoes of Swing“ fand in der Schlosskirche statt. Ich war von der hervorragenden Akustik überrascht. Die Band verzichtete bis auf einen Säulenlautsprecher auf elektronische Verstärkung. Der Kirchenraum trug die Musik, als wäre er für Jazzkonzerte gebaut worden. Vier exzellente Musiker, von denen ich lediglich Colin T. Dawson an der Trompete hervorheben möchte. Unglaublich schön, wie variantenreich er sein Instrument beherrscht. An den Tasten saß Bernd Lhotzky, an der Schießbude Oliver Mewes und die Gießkanne blies Chris Hopkins. Das Programm umfasste Klassiker von Cole Porter, Scott Joplin und Big Spider. Altbekanntes wie „Ol’ man river“ wurde genauso adaptiert (und verändert) wie Stücke von Bach oder Chopin. Dazu reihten sich eigene Kompositionen, die die Zuhörer mal in die Wüste, mal in eine Dance-Hall entführten. Zwischen den einzelnen Stücken zeigten sich die Musiker als versierte Entertainer, die zur Musik passende Geschichten erzählen konnten. Der Dialog zwischen Musikern und dem Publikum stimmte. Ein gelungenes Sommerkonzert.

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