Veröffentlicht in Allgemein

Onkel Bo auf Reisen…

 

Ich hatte schon ganz vergessen, wie gut mir Holland tut.

Vielleicht kennt der*die geneigte Leser*in das süß-bittere Gefühl, wenn man*frau nach langer Partnerschaft (wieder) alleine reisen muss, und man*frau nach einer langen Arbeitsperiode kaum die nötige Energie aufbringen kann, loszufahren, sich lieber zu Hause hinlegen möchte und einfach nichts tun. Bis kurz vor der Abfahrt stritt ich mit mir, ob „das wirklich sein muss.“ Als ich heute morgen am Strand vor Zandvoort (Bloemendaal aan Zee) meine Füße ins Nordseewasser tauchte, wusste ich, „es musste sein“. Ich hatte ganz vergessen, warum ich so gerne hierher fahre: es tut mir richtig gut (Nicht nur meiner Seele, sondern auch meinen Füßen). Und das nun schon seit 30 Jahren…

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Amsterdam

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass eine meiner Vorfahrinnen, Susanne F., aus Haarlem stammte, Calvinist*in wie ihr zukünftiger Ehemann, mein Urururururopa. Das wusste ich noch nicht, als ich mich als junger Mann in diese Gegend verliebte. Dennoch bin ich mir sicher, dass es kein Zufall ist, dass ich gerade diesen holländischen Landschaftsflecken liebe. Vielleicht wird in unserem Erbgut doch mehr transportiert, als die Tiefgelehrten wissen. Vielleicht sogar die Vorliebe für eine Landschaft.

 

 

 

Fortsetzung, zweiter Tag:

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Ägypten?

Fronleichnam (und das dranhängende Wochendenende) war bisher immer ein guter Feiertag, um Amsterdam zu besuchen. Hier hat aber der Stadtbesucher-touristenstrom auch Einzug gehalten, die Stadt ist überfüllt wie Barcelona oder Wien. Vorbei spontane Museums-besuche (beim nächsten Mal unbedingt reservieren!) oder gemütliches Im-Café-sitzen. Ich flaniere dennoch unver-drossen durch die Stadt, vorbei an Grachten und den bekannten Plätzen. Ab und zu eine Wolke Hasch (ich mag das Wort!), uniform bekleidete Gruppen angeführt von heiratswilligen Männern oder Frauen (die Armen sehen reichlich übernächtigt und angetrunken bzw. bekifft aus), die klassischen deutschem Studienratsehepaare (er mit mit Digitalspiegelreflexkamera, beide in Outdoorklamotten und Rucksäcken, sie den Beadecker wälzend, ob man*frau auch nach dem zehnten Besuch nicht etwas übersehen hat) und ab und zu Eltern, die rote Ohren bekommen, wenn ihre Kleinen vor einem Schaufenster mit einer lebenden Puppe mit leichter Bekleidung 🙂 stehenbleiben. Ich liebe Amsterdam!
Den Sonnenuntergang verbringe ich wieder in Bloemendaal aan Zee, im Café „’t Eindpunt“ mit einem wunderbaren Blick über die Nordsee und die sinkende Sonne. Dazu ein Glas holländisches Weißbier (nein, nicht aus einer seelenlosen bayerischen Hektoliterbrauerei).

NL 5
Bloemendaal aan Zee, ‚t Eindpunt

Was braucht man*frau mehr?

 

 

 

 

 

 

 

Abschluss, Heimfahrt

Noch einmal ‘t Eindpunt, zum Abschluss ein kleines Festessen: Seezunge. Dazu ein eisgekühlter Tempranillo Rosé. Etwas cross, aber lekker

Heute Morgen war es eher diesig, ich konnte also ewig am Strand entlanglaufen. Gegen Mittag kam eine knallige Hochsommersonne durch, brannte alles Wolkenähnliche weg und zog Hunderte von Wochenendausflüglern an die See. Zwei Busse spuckten Dutzende von „Gothics“ aus, in wunderlichen Kostümen, jugendlich beschwingt und die meisten wohl leicht bekifft. Am Wochenende ist hier in über zehn Ressorts Party angesagt. Dutz-dutz-Musik, junge Menschen wie aus der Werbung und immer gut gelaunt. Jeunesse dorée. Wer’s nicht mag, St. Peter Ording oder Amrum bieten gepflegten Aufenthalt im Senior*innenstil.
Der Strand ist voller junger Familien. Auch darum kann ich unsere nordwestlichen Nachbarn beneiden: keine 12 Jahre Diktatur, in der Familie, Elternschaft und Erziehungsideale in den Schmutz gezogen oder pervertiert wurden, keine 40 Jahre diktatorische Staatserziehung zu „besseren Menschen“. Ähnlich wie in Schweden gehen die Menschen hier viel lockerer mit dem Thema Familiengründung um. Hier zeugt man*frau Kinder, weil es dazugehört. In Deutschland wird man*frau das Gefühl nicht los, die Kinder für den*die Führer*in, Entschuldigung für die Partei, nochmal Entschuldigung, für den Staat, respektive die Rentenkasse oder für die Schwiegereltern, die eigenen Eltern, die Karriere oder was auch immer produzieren zu müssen. (Und wenn’s mal nicht mit dem eigenen Nachwuchs klappt, öffnet man*frau die Grenzen…). Schlimm, schlimm, dass Bevölkerungspolitik nach wie vor Bevölkerungswachstum als Hauptziel hat. (Und das nicht nur in Indien oder der Türkei). Wenn aber Kitas fehlen, Schulkinder in Legebatterien ähnlichen Klassenzimmer gestopft werden und Universitäten studentische Massen abfertigen, sollte das eventuell mal überdacht werden. (Das gilt natürlich nicht dafür, dass wir Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg freihalten sollten, falls wir einer größeren Menschengruppe Zuflucht bieten müssen. )

 

In meinen letzten Blog habe ich eine Blankoseite eingefügt, um Ungemach zu vermeiden. Falls jeman*fraud den eigentlichen Text lesen möchte, kann er*sie ihn per E-Mail erhalten.


Soundtrack:

Amsterdam, City-Check:   ZAZ: Les Passants; Dans ma Rue

Bloemendaal aan Zee, Strandspaziergang: Amy Winehouse: Love is a losing game; Wake up alone

 

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