Veröffentlicht in Allgemein

I. Theaterluft

Das ist also mein Blog. Hausaufgabe in meinem Studium „Kulturelle Bildung an Schulen“ Donnerstag, 9. März 2017
1.Hospitation am Hessischen Landestheater in Marburg
Theaterluft! 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff , 0,4 % Kohlendioxid (in manchen Räumen auch mehr) und 0,6 % Edelgase. Und im Theater wird das schönste Edelgas verströmt: Theaterluft!
Wenn man „Theaterleute“ darauf anspricht, registriert man ein gewisses Kopfschütteln. „Nein, Theaterluft gibt es nicht.“ Ein klarer Fall von Adaption – die Gewöhnung an diesen Duft. Aber ich, ich atmete, nein, sog diesen Duft tief ein. Zwei wunderbare Tage lang.
Mein Scout durch das Theaterleben: Michael Pietsch (aber von allen „Piwi“ gennant). Einer von zwei Theaterpädagog*innen am Landestheater Marburg. (Die zweite, Juliane Nowak, habe ich bei einem Seminar im Schloss Rauischholzhausen kennengelernt.) Michael kenne ich schon etwas länger. Und das macht den gemeinsamen Tag ziemlich entspannt.
Erste Station: Landschulheim Steinmühle, Marburg- Cappel. Theater AG in einer 7. Klasse. Michael arbeitet hier zusammen mit einem Lehrer der Steinmühle, Steffen Ublwer. Keine schlechte Voraussetzung für das Fach – bei 21 quirligen Kindern. Die zweite Überraschung: das Forum. Ein Neubau für kulturellen Zwecke, mit Bühne, Zuschauerraum, Musik-Probenräumen, ein Raum der Stille, Bibliothek und – sehr viel Flair. Da kann man als Lehrer an einem kleinen Landgymnasium in einem Landkreis, in dem das Geld vorrangig in Gesamtschulen fließt, schon neidisch werden. An anderer Stelle dazu mehr…

Foto(16)

FORUM

In den kommenden 90 Minuten sah ich einen sehr modernen und engagierten Unterricht. Die Schüler*innen nahmen die Übungen an, immer auch das Ziel vor Augen, die Aufführung, die hier an der Steinmühle zum Schulprogramm gehört.
Mit viel Geduld fordert Michael die Schüler*innen auf, „in die Rollen zu kommen“, die Rolle „richtig auszuspielen“. Für mich, der das Fach Darstellendes Spiel nur in der Oberstufe unterrichtet eine interessante Anschauung, was mit 12 – 14-Jährigen überhaupt möglich ist – aber auch, wo die Grenzen liegen. Dennoch immer wieder ein positives Feedback geben, um neu zu motivieren und die Schüler*innen bei der Stange zu halten. Michael und Steffen Ublwer hatten die AG geteilt und getrennt geprobt, zum Schluss wurden die Gruppen wieder zusammengebracht. Gegenseitig präsentierten sie ihren Stand der Probenarbeit. Auch wieder neue Motivation! Danach eine kurze Besprechung der beiden Lehrer, dann die nächste Station.
2. Theater am Schwanhof, Hessisches Landestheater, Marburg. Michael steckt in den letzten Vorbereitungen für das Kinder- und Jugendtheaterfestival: KUSS – die 22. Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche
Ein Programmpunkt fehlt noch und muss noch organisiert werden. Mich interessieren die Kosten und die Finanzierung des Festivals. Mit dem Leiter des Festivals, Jürgen Sachs, durfte ich ein längeres Gespräch darüber führen. Interessant, wer sich alles an den Kosten beteiligt: das Land Hessen (Ministerium für Wissenschaft und Kunst), der Kreis Marburg-Biedenkopf, das Kulturamt der Stadt Marburg, das Staatliche Schulamt für den Kreis Marburg-Biedenkopf, das Hessische Landestheater, der Verein für Kultur, die Stadtwerke Marburg. In diesem Gespräch erfuhr ich auch zum ersten Mal von dem Marburger Papier. Eine Erklärung, die die beiden Ministerien zusammenbrachte, die für Kultur zuständig sind, das Hessische Kultusministerium und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Im Wesentlichen geht es in dieser Erklärung um das Zusammenbringen von Theater und Schule.
Der Umgang mit lebendiger Kunst war und ist zu allen Zeiten ein wichtiger Bestandteil der individuellen und kollektiven Persönlichkeitsbildung. Die Begegnung mit Kunst und Künstlern weckt das Verständnis für die eigene Identität und fördert die Bereitschaft, sich mit anderen Kulturen und Lebensformen auseinanderzusetzen.
(Marburger Papier zu »Theater und Schule in Hessen«, ASSITEJ 2004)
Jürgen Sachs konnte mir auch bei einer anderen Frage weiterhelfen: Welche technischen Anforderungen an einen „Theaterbau“ herangetragen werden. Das Forum hatte mich animiert, über einen solchen Bau auch an meiner Schule nachzudenken. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Vorstellung von einem „wachsenden Haus“, einem Gebäude, das offen für Veränderungen und wechselnde Anforderungen ist.
Danach kam ich ins Gespräch mit zwei Praktikant*innen, die beim KUSS-Festival assistieren sollten und dafür bei den Vorbereitungen beteiligt waren. Als ich Student war, hatte ich das Theater eher als hermetisch abgeschlossene Einheit erlebt. Wie offen konnte ich es jetzt erleben. Eine Offenheit, die mir sehr gefiel.

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Michael „Piwi“ Pietsch, Theaterpädagoge

Michael organisierte derweil Hotelzimmer für die Schauspieler und regelte alles um einen außergewöhnlichen Spielort für ein Stück, nämlich eine Schreinerei. (Das Stück heißt: Mit Herz und Hand. Eine Produktion der Theater Kleine Welten in Liebenau und dem Theater Transit in Darmstadt. Für uns ging ein intensiver Tag zu Ende, der bei mir Lust geweckt hat, noch mehr Theaterluft einzuatmen: ich wollte einen Tag beim KUSS-Festival verbringen.

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